Website Realitäts-Check 2026: Was 16,9 Millionen Websites wirklich zeigen

Ein Kunde tippt eine Frage bei ChatGPT ein. Vier Konkurrenten werden zitiert, die eigene Website taucht nicht auf. Nicht, weil sie schlechter ist – sondern weil sie die falsche Sprache spricht, die Sprache der Maschinen. Um herauszufinden, wie verbreitet dieses Problem wirklich ist, habe ich zwei Datenquellen kombiniert: das HTTP Archive Web Almanac 2024 mit knapp 16,9 Millionen untersuchten Websites und 729 eigene Rankmio-Audits aus echten Kundenprojekten (Januar bis Juli 2026).

Die Kernzahlen

  • 72 Prozent der auditierten Websites scheitern an KI-Sichtbarkeit (Score unter 70 von 100)
  • 99 Prozent der untersuchten Seiten verzichten auf FAQ-Schema (globale Adoptionsrate laut Web Almanac: 0,6 Prozent)
  • 59 Prozent der Websites nutzen überhaupt keine strukturierten Daten (JSON-LD)
  • 100 Prozent der geprüften Produktseiten im Rankmio-Sample haben kein FAQ-Schema

Methodik: woher die Zahlen stammen

Das Web Almanac 2024 ist eine jährliche, offen dokumentierte Datenstudie des HTTP Archive, erstellt von unabhängigen Experten aus der Web-Community – keine Marketingzahlen eines einzelnen Anbieters. Ich habe diese breite Basis mit 729 eigenen Audits ergänzt: 74 externe Domains, 85 Free-Check-Reports und 729 einzelne Seiten mit detailliertem GEO-Page-Scoring, überwiegend aus dem deutschsprachigen Markt (Onlinehandel, Dienstleistungen, medizinische Praxen, Mittelstand). Der AI-Visibility-Score ist ein kompositer Wert (0–100) aus Vollständigkeit strukturierter Daten, Entitäts-Verlinkung, Autor-Angaben, Aktualitätssignalen und thematischer Abdeckung; die Schwelle für "sichtbar" liegt bei mindestens 70 Punkten. Eine Einschränkung gehört dazu: Das Rankmio-Sample ist nicht zufällig gewählt, sondern spiegelt Websites, deren Betreiber aktiv ein Audit gesucht haben – reale Zahlen bei ungeauditierten Sites dürften eher schlechter ausfallen.

These: Technisches SEO ist inzwischen Commodity

Nach über 20 Jahren SEO-Praxis, Tools, Plugins und CMS-Vorlagen sollte man annehmen, dass Grundlagen wie strukturierte Daten längst Standard sind.

Antithese: Die Realität zeigt ein anderes Bild

Die Zahlen widerlegen diese Annahme deutlich. Fast sechs von zehn Websites haben nicht einmal die Basis für maschinenlesbare Inhalte gelegt. Interessant ist auch, wo die Lücken am größten sind: Bei den 729 auditierten Seiten fehlt bei Produktseiten in 100 Prozent der Fälle FAQ-Schema, bei Legal-Seiten in 83 Prozent. Blog-Content dagegen ist die stärkste Kategorie – die Fürsorge, die in redaktionelle Inhalte fließt, ist offenbar höher als die für die eigentlichen Money-Pages. Das ist kein Nischenproblem einzelner kleiner Seiten, sondern ein branchenweiter blinder Fleck, selbst bei Websites, die in klassischen SEO-Metriken solide aufgestellt sind.

Conclusio

Die Lücke zwischen technischer Möglichkeit und tatsächlicher Umsetzung ist enorm. 72 Prozent aller geprüften Websites erreichen bei KI-Suchmaschinen keine 70 von 100 AI-Visibility-Punkten – sieben von zehn Websites sind für ChatGPT, Perplexity und Gemini praktisch unsichtbar, selbst wenn sie bei Google auf Position 3 stehen. Der Web Almanac bestätigt das indirekt: Nur 1,77 Prozent aller Seiten nutzen Article-Schema, nur 1,5 Prozent Product-Schema. Wer heute nachbessert, verschafft sich einen überproportionalen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die diese Basis schlicht ignoriert.

Die drei Hebel, die am meisten bringen

  1. Product- und Legal-Seiten mit Schema und FAQ ausstatten: mechanische Arbeit mit dem größten Effekt, weil genau hier die größten Lücken liegen
  2. Interne Verlinkung reparieren: 20 Prozent aller Seiten im Rankmio-Sample haben weniger als zwei interne Links, 11 Prozent sind komplette Orphan-Seiten
  3. KI-Sichtbarkeit messen statt raten: regelmäßig prüfen, ob die eigene Domain bei ChatGPT, Gemini, Perplexity und Claude überhaupt zitiert wird

Was bleibt

Die 72-Prozent-Zahl ist zunächst ernüchternd – aber aus Beraterperspektive ist sie vor allem eine Einladung. Die Websites, die 2026 sichtbar sind, waren es 2023 oft noch nicht. Der Vorsprung liegt nicht bei den Großen, sondern bei denen, die zuerst begriffen haben, dass sich die Suche verschoben hat. Wer zu den verbleibenden 28 Prozent gehört, hat schon einen strukturellen Vorsprung, bevor der erste Blogartikel überhaupt geschrieben ist.

Quellen

FAQ

Was genau misst der AI-Visibility-Wert?
Ob eine Seite die grundlegenden technischen Voraussetzungen erfüllt, um von KI-Suchsystemen zuverlässig gelesen, verstanden und zitiert zu werden – u.a. strukturierte Daten, Entitäts-Verlinkung und Autor-Angaben. Die Schwelle für "sichtbar" liegt bei 70 von 100 Punkten.
Reicht klassisches SEO nicht mehr aus?
Klassisches SEO bleibt die Basis, aber die Zahlen zeigen: Die zusätzliche Schicht aus JSON-LD und Entitäten wird von der großen Mehrheit schlicht nicht genutzt – genau dort liegt der Hebel.
Woher stammen die 729 Audits?
Aus echten, laufenden Kundenprojekten, die mit Rankmio analysiert wurden – 74 externe Domains, 85 Free-Check-Reports, überwiegend deutschsprachiger Markt.
Wo sollte ich mit der Optimierung zuerst ansetzen?
Bei den Product- und Legal-Seiten, nicht beim Blog. Laut den Audit-Daten fehlt dort FAQ-Schema am häufigsten (100 bzw. 83 Prozent), während Blog-Content meist bereits am besten gepflegt ist.